Brigitte Riepan, Mediatorin (Bildquelle: Riepan)
Riepan
Brigitte Riepan, Mediatorin

MEDIATION – vermittelnde Lebenseinstellung als Grundwert

Seit Menschengedenken gibt es Konflikte im Miteinander von Personen, Generationen, Kulturen und Staaten. Neben der kriegerischen Austragung in Form von Sieg und Niederlage gab es aber auch schon immer das menschheitliche Phänomen der Vermittlung.
Schon im Athen des 6. Jahrhunderts v. Chr. war Solon nicht nur Oberhaupt des Gemeinwesens. Er wurde von den Parteien gemeinsam als Vermittler gewählt. So wurden bereits damals politische Entscheidungen im Sinne eines vermittelnden Geistes getroffen.

An der magischen Kraft der Vermittlung hat sich bis heute nichts geändert. Egal ob in den eigenen vier Wänden, in der Schule, am Sportplatz, im Berufsalltag, in Europa oder im Weißen Haus – also überall ist mehr oder weniger Platz für eine vermittelnde Grundhaltung. Einzige Bedingung ist der Wille nach Verständigung und Vertragen. 

Mediation - ein Verfahren der Vermittlung bei außergerichtlicher Konfliktbehandlung

Anstelle von „Kriegserklärung und Streit" tritt „Friedensarbeit" durch friedvolleres, sozial kompetentes eigenes Verhalten.
Immer mehr Menschen entscheiden sich heute, Streitfälle und Konflikte nicht eskalieren zu lassen und wagen einen Versuch der außergerichtlichen und eigenverantwortlichen Suche nach Lösungsmöglichkeiten. Ist somit die entsprechende Bereitschaft der teilnehmenden Personen gegeben, leistet die Mediatorin/der Mediator im Rahmen einer Mediation professionelle Vermittlungstätigkeit.

Bei bestehenden Konflikten ist die Kommunikation mit den Konfliktpartnern eher destruktiv. Jeder vertritt seine oft gegensätzlichen Positionen und verliert dabei seine Interessen aus den Augen, welche diesen Standpunkten zugrunde liegen. Die Mediatorin/der Mediator nutzt im Rahmen einer Mediation viele Methoden (den Werkzeugkoffer) und ermöglicht dadurch, dass Gespräche wieder gelingen. Auch das wechselseitige Zuhören wird dann wieder möglich. Auf dem oft langen Weg von Wahrnehmen, Klären und Anerkennen der eigenen und fremden Sichtweisen und dem Anerkennen von Gefühlen gelingt das Erkennen der Bedürfnisse. Erst dann kann neues Vertrauen entstehen, um sich kreativ auf die gemeinsame Suche nach Lösungen einzulassen. Das Ziel der Mediation ist eine gemeinsam getroffene Übereinkunft und deren Umsetzung.

Sozial kompetent haben es die Konfliktparteien dann geschafft, eigenverantwortlich und ohne Autorität von außen – gelenkt und unterstützt durch die Mediatorin/den Mediator– Entscheidungen zu treffen. Sie haben einen bestehenden Konflikt als Chance erkannt, ihre eigenen und die fremden Interessen wahrzunehmen und zu akzeptieren. Anstelle eines „entweder-oder" tritt ein eigenverantwortlich getroffenes „sowohl-als-auch" mit nachhaltiger Zufriedenheit. Sie haben viel erreicht, denn sie sind konfliktfähig geworden, eine soziale Kompetenz, die in der heutigen Zeit als nahezu existenziell erscheint.


Soziale Kompetenz als Schlüsselkompetenz im Familienalltag

Die Familie – eine Möglichkeit zur Entwicklung von Schlüsselkompetenzen im Kreise der Familie.

Der Familienverband ist die Wiege der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen. Junge Menschen benötigen aber neben Sicherheit, Halt und Orientierung auch Grenzen. Neben ihrer inneren Haltung brauchen Eltern dafür eine neue gestärkte Autorität im Sinne von Klarheit und Nachhaltigkeit.
Beispielhaft sei an dieser Stelle als häufiges Konfliktthema in Familien die Frage „weiterer Schulbesuch oder Schulabbruch" genannt. Im Rahmen einer FAMILIENMEDIATION, können diese oft sehr emotionalen Gespräche von einer neutralen Person gelenkt und gegenseitiges Verständnis, Respekt und Toleranz entwickelt werden. Gemeinsam können im gestärkten Familienverbund Regeln und Grenzen korrigiert und neu festgesetzt werden. Kompromissbereitschaf t und Wertschätzung treten an die Stelle von aufreibenden Machtkämpfen. Junge Menschen haben somit im Rahmen einer Mediation die Chance, in frühen Jahren im geschützten Kreis der Familie – gelenkt von der Mediatorin/dem Mediator - Konfliktfähigkeit zu erfahren. Gestärkt durch diese Erfahrung haben sie die Chance, im weiteren Leben als Strategie im Umgang bei Konflikten neben Flucht, Kampf und Kapitulation auch die Möglichkeit der Kooperation und des Kompromisses zu nutzen.
Wenn sich Familien im Rahmen einer Mediation mit innerfamiliären Themen auseinandersetzen, werden somit nicht nur Konflikte gelöst. Mediation hilft sozial verantwortliches Verhalten zu entwickeln, fördert Selbstachtung und Wertschätzung, sowie Fairness und Kompromissbereitschaft und stärkt das „Wir".
All diese Aspekte sind wichtig für ein zufriedenes und ausgeglichenes MITEINANDER und das wünschen wir uns doch alle.

[Brigitte Riepan, MA lebt und arbeitet als eingetragene Mediatorin (BM Jus) in Villach]


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